Artenschutzprojekt „Lachseeschwalbe in Dithmarschen”

 Saison 2019:

» Newsletter Nr. 3 Juli 2019

Liebe Freund*innen der Lachseeschwalbe,
der letzte Newsletter ist schon eine Weile her, und jetzt gibt es einiges zu berichten:
Die Küken sind flügge! Die Brutzeit der Lachseeschwalben ist weitestgehend abgeschlossen und
daher gibt es ein erstes Fazit der Saison 2019.
Nach einem sehr guten Beginn mit 90 gezählten Individuen und 44 Brutpaaren (neue Höchstzahl)
und einem hohen Anteil an Gelegen mit 3 Eiern (ca. 65%) war ein sehr guter Schlupferfolg zu
erwarten. So kam es auch: Etwa 60 Küken wurden vom Deich gezählt (zu dieser Zeit gab es auch
noch Gelege). Es konnten am Ende insgesamt 51 Küken mit Helgoland-Ringen beringt werden,
davon 48 auch mit Coderingen. Dieser hohe Schlupferfolg ist wieder einmal auf die Wirkung der
Elektrozäune zurückzuführen, mit denen wir die Füchse und Marderhunde von der Kolonie
fernhalten konnten.
Darüber hinaus war die Nahrungssituation offensichtlich so gut wie lange nicht. Dieses Jahr
führte der Masseneinflug von Distelfaltern dazu, dass die passende Nahrung für kleine Küken
schon von Schlupf an und für einen längeren Zeitraum reichlich zur Verfügung stand. Im
weiteren Verlauf erwies sich als günstig, dass 2019 ein „Mäusejahr“ ist. Die Lachseeschwalben
hatten (und haben immer noch) keine Probleme, an gehaltvolle Nahrung für die größeren Küken
zu kommen. Gleichzeitig waren die im Gebiet bekannten Prädatoren wie Rohrweihe und
Mäusebussard anderweitig gut versorgt, dass sie sich viel weniger an der Kolonie zeigten als in
anderen Jahren. Auch Wanderfalke und Großmöwen hielten sich vergleichsweise zurück.
Wie überall an der Westküste finden wir derzeit auch im Neufelderkoog-Vorland eine Invasion
von Wanderratten. Es gab große Verluste an Küken, die bei den Flussseeschwalben z.B. im
vierstelligen Bereich liegen, an denen die Ratten beteiligt waren. Bei den Lachseeschwalben ist
davon auszugehen, dass praktisch alle Totfunde von fast flüggen Küken auf Ratten
zurückzuführen sind. Mindestens 21 sind dokumentiert, 15 davon waren beringt. So viele gab es
in dieser Phase noch nie. Für Ratten als Täter spricht ein abweichendes, durchgängiges
Verletzungsbild, das wir von Marderhund und Fuchs nicht kennen, und die Tatsache, dass die
Küken überwiegend in einem Alter getötet wurden, in dem normalerweise nur geringe Mortalität
auftritt.
Es gibt trotzdem ganz ordentlichen Bruterfolg. Derzeit wissen wir, dass mindestens 16 beringte
und 7 unberingte Küken am Leben sind. Die sind nun alle flügge und halten sich in der Spartina-
Zone auf, also mit deutlichem Abstand zur Abbruchkante, was für ihre Sicherheit von Vorteil ist.
2 weitere waren schon vor 2 Wochen flügge, könnten also mittlerweile abgewandert sein, da am
19.7. die ersten 2 Küken am niedersächsischen Elbufer beobachtet wurden (ornitho.de). Dann
ging es Schlag auf Schlag. Am 22. Juli waren dort schon 11 adulte und 8 diesjährige Lachseeschwalben
aufgetaucht, und am 23.7. das erste unserer beringten Küken in Holland.
Lachseeschwalben-Newsletter Nr. 3 - 2019
Artenschutzprojekt Lachseeschwalbe 2019 2
Insgesamt erwarten wir, dass am Ende 25 flügge Küken auf die Reise gehen werden. In den
nächsten Wochen werden die eingehenden Beobachtungen aus den Rastgebieten in den
Niederlanden dazu beitragen, diese Zahlen zu verifizieren. Dort trafen vor 2 Wochen die ersten
adulten Lachseeschwalben ein. Das korrespondierte zeitlich sehr gut mit den Kükenverlusten im
Vorland. Derzeit rasten dort mindestens 25 Individuen in wasserführenden Sandgruben bei
Groningen.
Viele Grüße vom Deich!
Die Bauwagenbesatzung

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