„Artenschutzprogramm für Fledermäuse in Dithmarschen“

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Hintergrund:

Von den 15 in Schleswig-Holstein beheimateten Fledermausarten kommen viele auch in Dithmarschen vor. Die meisten dieser nächtlichen Jäger leben ganz oder zeitweilig in Wäldern. Natürliche Höhlen und Spalten in Bäumen dienen ihnen als Tagesschlafplätze, Paarungsquartiere, Wochenstuben, oder zur Jungenaufzucht. Einige Arten nutzen Baumhöhlen sogar als Winterquartiere. Außerdem sind Wälder und Feldgehölze, Knicks und Alleen für viele Arten zur nächtlichen Jagd auf Insekten bedeutsam. Andere bevorzugen Grünland oder Gewässer als Jagdgebiete. Alle Fledermausarten sind aber auf ein großes Nahrungsangebot angewiesen und damit Indikatoren für eine intakte und wenig belastete, abwechslungsreiche Landschaft.

<p">Seit einigen Jahren verschlechtern sich die Lebensbedingungen für unsere heimischen Fledermäuse: Die wirtschaftlich gebotene Nutzungsintensivierung in Wäldern und im Offenland vermindert das Angebot an geeigneten Quartieren und an Nahrung. Der Zuwachs an Windkraftanlagen führt außerdem zu Verlusten bei den Langstreckenziehern unter den Fledermausarten. In Dithmarschen dürften die Auswirkungen drastischer ausfallen als in waldreicheren Landesteilen, da es hier weniger Ausweichmöglichkeiten gibt.

Schutzstatus

Alle heimischen Fledermausarten unterliegen gemäß der europäischen Vorgaben (FFH-Richtlinie) einem besonderen Schutz. Ihre Bestände dürfen sich nicht verringern.

Ziel des Artenschutzprogramms:

Es soll dazu beitragen, die europäischen Vorgaben umzusetzen, in dem Lebensräume für Fledermäuse erhalten werden. Ein Schwerpunkt des Projektes liegt dabei im Schutz alter Wälder und Baumgruppen, da die Gehölz bewohnenden Fledermäuse den größten Anteil der Artengruppe stellen und besonders gefährdet sind. Durch Quartierverluste in Siedlungsräumen und Gebäuden (z.B. durch die Gebäudesanierung) bekommt der Wald zudem eine immer größere Bedeutung als Lebensraum für Arten, die bislang überwiegend in Dörfern lebten.

Das Projekt schließt an das seit 2008 existierende landesweite Schutzkonzept für Waldfledermäuse der Kurt und Erika Schrobach-Stiftung an (www.schrobach-stiftung.de/Fledermausschutz), in welchem inzwischen bereits 130 ha Waldflächen gesichert wurden.

Projektorganisation

Auf Initiative des Kreises Dithmarschen startete das Projekt im Kreisgebiet im Mai 2016. Es hat eine Laufzeit von zunächst drei Jahren bis Ende 2018 und wird über den Fonds „Mehr Natur für Dithmarschen“ gefördert.

Träger des Projektes zum Schutz von Fledermäusen in Dithmarschen ist die gemeinnützige Kurt und Erika Schrobach-Stiftung mit Sitz in Kiel (www.schrobach-stiftung.de), die sich seit 1991 dem Erhalt naturnaher Lebensräume mit ihren typischen Pflanzen- und Tierarten in Schleswig-Holstein widmet. Markenzeichen der Stiftung ist es, Naturschutzziele gemeinsam mit Landeigentümern, Vereinen, Verbänden und Kommunen vor Ort umzusetzen. Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem Bündnis für Naturschutz in Dithmarschen e.V. (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) und ehrenamtlichen Fledermausexperten der IG Fledermausschutz Nordfriesland und Dithmarschen e.V. durchgeführt. Dadurch sind kurze Wege und örtliche Ansprechpartner garantiert. Die fachliche Unterstützung erfolgt durch die Waldexperten der Firma silvaconcept, das Ingenieurbüro Faunistica und den Fledermausexperten Matthias Göttsche.

Umsetzung

Um zur Stabilisierung von Fledermauspopulationen in Dithmarschen beizutragen, werden interessierte Wald- bzw. Gehölzeigentümer über Möglichkeiten zum Erhalt vorhandener Quartiere beraten. Dazu zählen auch Kirchengemeinden, die häufig über sehr alte Baumbestände verfügen. Notwendige Baumschutzmaßnahmen können über das Projekt im Einzelfall finanziert werden. Möglich ist auch der Verkauf von geeigneten Wäldern mit aktuellen oder potentiellen Fledermausvorkommen an die Schrobach-Stiftung. Diese Bestände werden anschließend aus der Nutzung genommen und ausschließlich dem Arten- und Lebensraumerhalt gewidmet. Sie werden von einem Netzwerk aus ehrenamtlichen Fledermausexperten betreut.

Des Weiteren sollen Schwerpunkträume für den Schutz von Fledermausvorkommen ermittelt und spezielle, auf das Kreisgebiet zugeschnittene Maßnahmen entwickelt sowie anschließend umgesetzt werden. Dazu ist im Vorwege die Erstellung von Übersichten über deren Vorkommen und Verteilung in Dithmarschen, ausgehend von umfangreichen Datenauswertungen und ergänzenden Fledermauskartierungen, geplant. Neben der waldreicheren Geest wird auch die Marsch berücksichtigt.

Wer über Wälder oder Gehölze, Baumreihen, Streuobstwiesen oder Alleen mit sehr alten, höhlenreichen Bäumen verfügt und Interesse an der Mitwirkung in diesem Projekt hat, ist aufgerufen, sich gern beim Bündnis für Naturschutz in Dithmarschen e.V., René Seifert, Tel. 0481 / 680816 oder bei der Schrobach-Stiftung, Tel. 0431 / 705349660 zu melden.

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(Foto - Großer Abendsegler: M. Göttsche)